MAN: Klimaschutz richtig managen und strategisch einbinden

MAN: Klimaschutz richtig managen und strategisch einbinden

„Nur wenn die Dekarbonisierung deutlich vor Ende des Jahrhunderts abgeschlossen ist, haben wir noch eine reelle Chance, die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen.“ (Mojib Latif, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung)

Themenschwerpunkte: Treibhausgase, CO2-Bilanz, Scope 1-3, Klimamanagement, Klimastrategie

Warum hat Klimaschutz eine strategische Relevanz für Unternehmen?

  • Deutschland und die EU wollen bis 2050 die Treibhausgasemissionen um mindestens 80 Prozent gegenüber 1990 reduzieren. Deswegen sind regulatorische Anforderungen für Unternehmen zukünftig verstärkt zu erwarten. Auch in der ab 2017 in Kraft tretenden CSR-Berichtspflicht wird von Unternehmen gefordert, unter anderem zu ihren ökologischen Auswirkungen und Maßnahmen zu berichten.
  • Energie- und Ressourceneffizienz geht oftmals einher mit CO2-Einsparungen und spart abteilungsübergreifend Kosten. Unternehmen sind dadurch außerdem weniger anfällig gegenüber Energiepreissteigerungen.
  • Kunden und Investoren berücksichtigen auch die Klimaperformance von Unternehmen bei Vertragsvergaben und fragen vermehrt Daten nach.
  • Aufgrund einer zunehmend kritischen Öffentlichkeit riskieren die Unternehmen Reputationsverluste, wenn sie nicht versuchen, die Umweltauswirkungen ihrer Unternehmenstätigkeit zu reduzieren.
  • Unternehmen sind direkt durch die negativen Folgen des Klimawandels betroffen und müssen Anpassungsmaßnahmen vornehmen, die beispielsweise die Wasserversorgung sicherstellen, vor Hochwasser schützen oder die steigende Wärme bei Hitzeperioden ausgleichen.
  • Klimaschutzmaßnahmen eröffnen neue Geschäftsmodelle und sind damit ein Innovationstreiber für Unternehmen.

Überblick

Für ein effektives Klimamanagement sollten Unternehmen zunächst die wesentlichen Emissionsquellen entlang der gesamten Wertschöpfungskette identifizieren und messen. Das Carbon Accounting hilft ihnen dabei, die Treibhausgasemissionen systematisch zu erfassen, um eine Treibhausgasbilanz, bzw. einen Corporate Carbon Footprint zu erstellen. Dieser kann im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichtserstattung oder zum Emissionsmanagement genutzt werden. Unternehmen können sich als Leitfäden an den Empfehlungen des Greenhouse Gas Protocols orientieren.

Um eine umfassende Klimabilanz zu erstellen, müssen Unternehmen Auskunft geben über die eigenen direkten Emissionen, die durch die Prozesse an den Standorten und Anlagen entstehen (Scope 1). Zum Beispiel gehören hierzu Verbrennung von Kraftstoffen zum Betrieb von Anlagen, aber auch flüchtige Stoffe, die bei der (Wieder-)Befüllung von Klimaanlagen freigesetzt werden oder bei der Produktion von Beton oder Chemikalien entstehen.

Außerdem sollten sie die indirekten Emissionen aufführen, die aus der Erzeugung eingekaufter Energie (Scope 2) emittiert werden. Hierzu gehören etwa eingekaufter Strom, Fernwärme und Fernkälte. Des Weiteren tragen sie für die indirekten Emissionen, die in der Wertschöpfungskette des Unternehmens entstehen (Scope 3), Verantwortung. Dazu gehören die vorgelagerten Emissionen aus der gesamten Lieferkette (Scope 3 upstream), die etwa durch erworbene Waren und Produkte entstehen, sowie die nachgelagerten Emissionen aus der Nutzungsphase und Entsorgung der hergestellten Güter (Scope 3 downstream).

Das jeweilige Klimamanagement eines Unternehmens ist in die betriebliche Klimastrategie eingebunden. An einem übergeordneten Klimaziel ausgerichtet, definiert sie die Maßnahmen, mit deren Hilfe die Unternehmen ihre THG Emissionen reduzieren können.

 

MAN: Klimaschutz richtig managen und strategisch einbinden

Die Klimastrategie des Fahrzeugherstellers MAN beispielsweise konzentriert sich auf die Produktionssituation an den Standorten sowie die Ressourcen- und Klimaeffizienz der Produkte und Dienstleistungen. Umgesetzt werden die Klimaziele durch fünf verschiedene Kerninitiativen:

1. Minus 25 Prozent CO2-Ausstoß bis 2020 an den MAN-Standorten

  • Reduzierung des CO2-Ausstoßes durch Steigerung der Energieeffizienz, Nutzung von erneuerbaren Energiequellen, Energieerzeugung mit Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung sowie umfassendes Energiemanagement (Scope 1und 2).
  • Wie das funktioniert, zeigt MAN mit seinem klimaneutralen Standort im südafrikanischen Pinetown, der komplett auf regenerative Energie umgestellt wurde.

2. CO2-Einsparungspotenziale entlang des Produktlebenszyklus

  • Um Einsparungspotenziale zu erkennen, ermittelt MAN den CO2-Ausstoß entlang des gesamten Produktlebenszykluses. Dabei wurde festgestellt, dass bis zu 90 Prozent der Emissionen in der Nutzungsphase der Produkte (Scope 3 downstream) entstehen. Dementsprechend hat MAN den größten Hebel zur CO2-Reduzierung durch verbrauchsarme Technologien, die die Produkte effizienter machen.

3. Effizientes Produktportfolio

  • MAN positioniert sich in seinen Geschäftsfeldern mit nachhaltigen Produkten und Leistungen. Damit reagiert das Unternehmen auf den Trend eines steigenden Verkehrsaufkommens bei gleichzeitiger Forderung nach CO2-effizienten LKWs, Bussen und Schiffen.

4. Kundenbeteiligung und -dialog

  • MAN tauscht sich mit seinen Kunden in Puncto Reduzierung des CO2-Fußabdrucks aus, da viele Kunden sich bereits eigene Ziele gesetzt haben, um Emissionen zu reduzieren. Durch einen optimalen Betrieb der Produkte können die Kunden den Kraftstoffverbrauch senken und damit Kohlenstoffdioxid einsparen. Von MAN angebotene Fahrtrainings für Berufskraftfahrer helfen dabei zusätzlich.

5. Steuerung der Klimastrategie

  • Zur Evaluierung der Klimastrategie definiert MAN Kennzahlen, die die Umsetzung der Klimastrategie überwachen und steuern.
  • MAN berichtet regelmäßig über die Umsetzung seiner Klimaschutzmaßnahmen im Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens und im Global Compact Fortschrittsbericht.

So gelingt Ihnen die Umsetzung

Über welche indirekten Emissionen ein Unternehmen berichtet, hängt von der Wesentlichkeit der jeweiligen Segmente ab. So ist es beispielsweise für einen Kohleverstromer relevant über die Emissionen zu berichten, die durch den Abbau der verwendeten Rohstoffe entstanden sind, während ein Versandhändler eher den Blick auf die CO2 Emissionen bei der Zustellung an die Kunden hat.

Bei der Mehrzahl der Unternehmen entsteht der Großteil der Emissionen innerhalb von Scope 3. Das stellt die Unternehmen sowohl bei der Datenerhebung als auch bei der Emissionsminderung vor große Herausforderungen, weil sie in diesem Bereich auf die Zusammenarbeit mit Lieferanten und Kunden angewiesen sind.

Möchten Sie selbst Klimamanagement in Ihrem Unternehmen betreiben, sollten Sie folgende Schritte berücksichtigen:

  1. Führen Sie eine Materialitätsanalyse durch, um die größten Emissionsquellen entlang Ihrer Wertschöpfungskette zu identifizieren. Im Nachgang messen Sie die Werte und erstellen Ihren eigenen Carbon Footprint.
  2. Definieren Sie in einer Klimastrategie konkrete Ziele, um Treibhausgase einzusparen und leiten Sie daraus die entsprechenden Maßnahmen zur Erreichung der Zielvorgaben ab.
  3. Führen Sie die Maßnahmen durch und Überprüfen Sie regelmäßig ihren Erfolg. Für eine Bestandaufnahme können Sie die jährliche COP-Berichtspflicht des Global Compacts nutzen. Durch das Reporting kommunizieren Sie Ihre Leistungen nach außen und machen Ihre Klimabilanz mit anderen Betrieben vergleichbar.

Das DGCN bietet für Unternehmen, die Unterstützung bei ihrem Klimamanagement benötigen, verschiedene Webinare und Coachings an. So etwa zum Thema „Corporate Carbon Footprint". Darüber hinaus plant das DGCN Ende des Jahres, zwei Publikationen zu dem Thema zu veröffentlichen.

Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen