Kreislaufwirtschaft/Circular Economy: Das Beispiel Daimler

Kreislaufwirtschaft/Circular Economy: Das Beispiel Daimler

"Unser Planet und unsere Wirtschaft können nicht überleben, wenn wir den Wegwerf-Ansatz weiter verfolgen. Wir müssen wertvolle Ressourcen bewahren und ihren wirtschaftlichen Wert vollständig nutzen. Bei der Kreislaufwirtschaft geht es darum, das Abfallaufkommen zu verringern und die Umwelt zu schützen, sie bedeutet aber auch einen grundlegenden Wandel in der Funktionsweise unserer Wirtschaft." (Frans Timmermans, Vize-Präsident EU-Kommission, Dezember 2015)

Themenschwerpunkte: Langlebigkeit, Verbrauchseffizienz, Umweltbilanz, C2C, LCA, Recycling, Verwertbarkeit, Abholung, Materialeinsatz, Aufbereitung, Produktdesign, EPD

 

Nicht nachwachsende Rohstoffe sind nur endlich verfügbar und ihre Gewinnung kostet viel Energie. Daher lohnt sich eine Rückführung gebrauchter Materialien an den Anfang des Herstellungsprozesses. So schließt sich der Produktkreislauf und Abfall wird minimiert. Die Kreislaufwirtschaft verfolgt die Vision einer „zero waste“-Produktion. Dazu reicht es nicht aus, die Materialien nach dem Gebrauch zu recyceln, die Produkte müssen von Beginn an auf Langlebigkeit und leichte Reparatur sowie den Austausch von Komponenten ausgelegt sein.

Das Beispiel Daimler

Ein gutes Beispiel für eine gelingende Kreislaufwirtschaft kann die Automobilindustrie liefern. Die hier eingesetzten Materialien werden in der Regel sachgemäß entsorgt und liefern ein hohes Recyclingpotenzial. Daimler macht am „Life Cycle Overview“ für die aktuellen PKW-Modelle seit 2009 deutlich, wie die Kreislaufwirtschaft bei der Produktion von Beginn an mitgedacht werden kann – mithilfe von Analysen zum gesamten Produktlebenszyklus.

Die aktuellen Fahrzeuge von Daimler bestehen zu etwa 48 Prozent aus Metallen und zu 20 Prozent aus verschiedenen Polymerwerkstoffen. Der Hersteller unterzieht seine Fahrzeugklassen einer Umweltbilanzierung, die die Stoffströme und CO2-Bilanzen von der Rohstoffgewinnung über die Nutzung bis hin zur Verwertung darstellen. Rohstoffe und Energien von der Gewinnung bis zum Recycling.

Leitlinien, Ansätze und Ziele

Unter der Leitlinie „Design for Environment“ (DfE) werden die Fahrzeuge direkt in der frühen Entwicklungsphase so konzipiert, dass sie möglichst ressourcenschonend und umweltfreundlich hinsichtlich der CO2-Verbräuche, Schadstoffe und Abfälle sind. Korrekturen und Anpassungen in späteren Phasen sind sehr aufwendig. Daher arbeitet das Querschnittsteam DfE gemeinsam an den Bereichen Ökobilanzierung, Demontage, Recycling, Werkstoff- und Verfahrenstechnik sowie Konstruktion und Produktion.

In den Lastenheften der Daimler-Fahrzeuge ist festgeschrieben, dass der Anteil sogenannter sekundärer Rohstoffe, auch Rezyklateinsatz, fortlaufend vergrößert werden soll. Die Planung sieht daher eine jährliche Prüfung bis 2020 vor. Als Zwischenziel sollten 25 Prozent mehr nachwachsende Rohstoffe und Rezyklate bis 2015 im Vergleich zum Basisjahr 2010 eingesetzt werden. Das Ziel wurde mit einem 39 Prozent höheren Einsatz von Rezyklaten und 28 Prozent mehr nachwachsende Rohstoffen sogar übertroffen.

Maßnahmen & Projekte

  • Ökobilanzierung und Auswertung der Ergebnisse für eine Zielsetzung hinsichtlich der Folgemodelle
  • Wiederverkauf geprüfter und zertifizierter Gebrauchtteile durch das Mercedes-Benz Gebrauchtteile Center (GTC),
  • Aufarbeitung sogenannter Tauschteile (Remanufacturing),
  • Werkstattentsorgungssystem MeRSy (Mercedes-Benz Recycling System).
  • Demontageanleitungen werden sechs Monate nach Markteinführung für die Altfahrzeugverwerter bereitgestellt.

Verfahren

Bei der Life Cycle Overall Documentation folgt Daimler vier Schritten:

  1. Untersuchungsrahmen: Hier werden Ziel und Rahmen einer Ökobilanz über den gesamten Lebenszyklus gesetzt.
  2. Sachbilanz und Materialeinsatz: In der differenzierten Ökobilanz werden Stoff- und Energieströme während aller Schritte des Lebensweges analysiert, etwa: Wie viel Kilogramm eines Rohstoffs fließen ein? Wie viel Energie wird verbraucht? Welche Abfälle und Emissionen entstehen? Um die Stoffströme zu optimieren und sie dem Kreislauf wieder zuführen zu können, werden die einzelnen Bauteile möglichst aus reinen Stoffen und somit recyclingfähig hergestellt. In der aktuellen E-Klasse konnte im Vergleich zum Vorgängermodell der Anteil von Rezyklaten im Bereich der Polymerstoffe um ca. 30 Prozent gesteigert werden. Einsatzbereiche sind etwa Radlaufverkleidungen, Kabelkanäle und Unterbodenverkleidung. Vorzugsweise werden solche Stoffe aus Altfahrzeugen gewonnen, um den Kreislauf zu schließen.
  3. Wirkungsabschätzung: Sie beurteilt die potenziellen Wirkungen des Produkts auf die Umwelt, wie beispielsweise Treibhauspotenzial, Sommersmogpotenzial und Versauerungspotenzial und anderes.
  4. Auswertung: Sie stellt Schlussfolgerungen dar und gibt Empfehlungen, etwa für die Optimierung und die Produktion von Folgemodellen.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Ökobilanz fließen als Grundlage in die Erstellung des Produktdesigns und eines Recyclingkonzepts ein. Für die E-Klasse wurde das Recyclingkonzept parallel zur Entwicklung des Fahrzeugs erstellt, indem für jede Stufe des Prozessablaufs die einzelnen Bauteile bzw. Werkstoffe analysiert wurden. Die Recycling- bzw. Verwertungsquote des Gesamtfahrzeugs beträgt demzufolge 85 Prozent für die stoffliche Recyclingfähigkeit und 95 Prozent für die Verwertbarkeit.

Analyseinstrumente und Normen

  • DIN EN ISO 14040 und DIN EN ISO 14044 (Vorgaben über den Ablauf und die erforderlichen Elemente bei der Ökobilanzierung)
  • ISO Norm 22628 – „Road vehicles – Recyclability and recoverability - Calculation method“ zur Berechnung der Verwertbarkeit und Recyclingfähigkeit
  • ISO TR 14062 zur Integration von Umweltaspekten in die Produktentwicklung
  • Umwelt- und Qualitäts-Managementsysteme ISO 14001 und ISO 9001; ISO 14006
  • Umweltzertifikat nach ISO TR 14062

So gelingt Ihnen die Umsetzung

  • Legen Sie bereits in der Produktentwicklung den Grundstein zur Vermeidung kritischer Stoffe, zum Einsatz von Sekundärrohstoffen, zur Gewährleistung der Produktsicherheit oder zur Recyclingfähigkeit der Produkte.

  • Achten Sie auf eine gute Demontagemöglichkeit, einen modularen Aufbau von Produkten zur Teilereparatur oder zum Upgrade auf den neuesten technologischen Stand.

  • Schaffen Sie Transparenz in Produktnutzung und Entsorgung und bieten Sie Information und Unterstützung bei der Entsorgung an, etwa durch Abhol- und Sammelsysteme.
  • Achten Sie bei Neuentwicklung von Produkten auf Kompatibilität mit älteren Geräteteilen.

  • Suchen Sie sich ggf. Wirtschaftspartner zur Umsetzung vor- und nachgelagerter Prozesse.

  • Nutzen Sie passende Hilfsinstrumente zur Überprüfung der Recyclingfähigkeit und der genauen Anteile.

  • Beachten Sie dabei, dass diese keine alleinstehende Maßnahme darstellen, sondern nur dann ihre Wirkung erzielen können, wenn aus den quantitativen Ergebnissen konkrete Maßnahmen folgen.
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