Schritt 2 und Schritt 3: Prioritäten definieren und Ziele setzen

Schritt 2 und Schritt 3: Prioritäten definieren und Ziele setzen

„Unsere integrierte Unternehmensstrategie wird gestützt von den vier Säulen unserer Nachhaltigkeitsagenda: Footprint, Innovation, Sourcing und Care. In diesen Bereichen wollen wir die negativen Auswirkungen unserer Geschäftstätigkeit konsequent minimieren und unseren gesellschaftlichen Mehrwert steigern. Damit tragen wir aktiv zur Erreichung der Sustainable Development Goals bei.“ (Symrise, Nachhaltigkeitsbilanz)

Themenschwerpunkte: Wesentlichkeit, Stakeholder, Lieferkette, Impacts

Überblick

Schritt 2: Prioritäten definieren

Nachdem sich die Unternehmen in Schritt 1 mit den SDGs vertraut gemacht haben, geht es in Schritt 2 und 3 des SDG Kompasses darum, die jeweiligen Handlungsprioritäten der Unternehmen zu identifizieren und diese mit Zielen zu versehen.

Dazu sollten die Unternehmen zuerst eine Analyse ihrer positiven und negativen Auswirkungen auf die SDGs entlang der gesamten Wertschöpfungskette vornehmen. Die größten Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit auf die SDGs fallen meist in der Lieferkette (Rohmaterialien oder Produktion), der Logistik, dem Vertrieb oder der Nutzung der Produkte an. Eine Analyse der eigenen Wertschöpfungskette stellt sicher, dass die wichtigsten Möglichkeiten aber auch Risiken, die sich aus den SDGs ergeben, wahrgenommen werden.

Unternehmen wählen dazu für jeden identifizierten Bereich mit (potenziell) großen Auswirkungen geeignete Indikatoren. Wenn möglich sollten hierbei Inputs (aufgewendete Ressourcen), Outputs (Resultat einer Aktivität wie Anzahl erreichter Menschen), Outcomes (Ergebnisse wie z. B. Änderungen im Leben der durch die Unternehmensaktivitäten erreichten Menschen) und Impacts (langfristige Auswirkungen der Unternehmensaktivitäten) gemessen werden. Allerdings sind Impacts schwierig zu messen, weil sie langfristig auftreten oder die Messbasis derzeit noch diskutiert werden. Falls die Auswirkungen tatsächlich zu schwierig zu messen sind, können Outputs oder Outcomes als Indikatoren nützlich sein.

Darauf aufbauend können die Unternehmen unter Einbeziehung der Stakeholder dann ihre Handlungsprioritäten definieren. Dabei ist es wichtig, auch marginalisierte Bevölkerungsgruppen wie etwa Frauen oder beeinträchtigte Personen, zu berücksichtigen. Außerdem müssen die Unternehmen den jeweiligen (länderspezifischen) Kontext beachten, in dem sie Geschäftstätigkeit ausüben. Einerseits könnte das Unternehmen beispielsweise arbeitsintensive Aktivitäten in einem Land unterhalten, in dem die Löhne niedrig sind oder Arbeitsrechte nicht durchgesetzt werden. Andererseits können aber auch hergestellte Produkte oder angebotene Dienstleistungen die Lebensbedingungen von Menschen verbessern.

Schritt 3: Ziele setzen

Jetzt kann sich das Unternehmen Ziele setzen, die zur Erreichung der SDGs beitragen. Ein Bekenntnis des Unternehmens zur Nachhaltigkeit und zu den SDGs ist glaubhafter, wenn entsprechende spezifische, messbare und zeitlich begrenzte Unternehmensziele vorliegen. Die ausgewählten KPIs, anhand derer der Fortschritt oder der Erfüllungsgrad der Ziele bestimmt werden, müssen die Outcomes und Impacts der Unternehmensaktivitäten abbilden. Die Auswahl von Output- oder Outcome-Indikatoren als Ersatz für Impact-KPIs kann durch Stakeholder-Engagement verbessert oder gestärkt werden.

 

Best Practice: Symrise

Wie Unternehmen ihre Handlungsprioritäten definieren und darauf aufbauend Ziele zur Erreichung der SDGs setzen können, zeigt das Engagement der Symrise AG mit Sitz in Holzminden. Diese stellt Duft-, Geschmacks- und Wirkstoffe für Kosmetika und Lebensmittel her. Symrise bezieht sein Nachhaltigkeitsengagement auf das gesellschaftliche Umfeld, in dem sich das Unternehmen bewegt. Hier gilt es seiner ökologischen und sozialen Verantwortung so nachzukommen, dass sich sowohl das Unternehmen selbst und seine Kunden, als auch die Mitarbeiter und die Gesellschaft positiv und nachhaltig darin entwickeln können. Gemäß dem eigenen Leitbild „Sharing Values“ wird dabei die gesamte Wertschöpfungskette – vom Rohstofflieferanten bis zum Endverbraucher – einbezogen, wie die Nachhaltigkeitsbilanz des Unternehmens informiert.

Die Unternehmensstrategie stützt sich auf die vier Säulen der Nachhaltigkeitsagenda von Symrise: Footprint, Innovation, Sourcing und Care. In diesen Bereichen will das Unternehmen die negativen Auswirkungen der Geschäftstätigkeit konsequent minimieren und seinen gesellschaftlichen Mehrwert steigern. Auf diese Wiese will Symrise aktiv zur Erreichung der SDGs beitragen. Ausformulierte kurz-, mittel-, und langfristige Ziele messen die Umsetzung der Ambitionen.

Ziel Footprint

Minimierung des ökologischen Fußabdrucks entlang der gesamten Wertschöpfungskette, um Ressourcen zu schonen, die Umweltauswirkungen zu verringern und Risiken vorzubeugen.

Ziel Innovation

Maximierung des sozialen und ökologischen Mehrwerts der Produkte. Die konsequente Beachtung von Nachhaltigkeitskriterien in der Produktentwicklung führt nicht nur zu ressourcenschonenden und geschäftssteigernden Effekten innerhalb der eigenen Wertschöpfung, sondern beeinflusst auch das Konsumentenverhalten positiv.

Ziel Sourcing

Bleibenden Wert für die Mitarbeiter und Standortgemeinden generieren. Außerdem Stärkung der Infrastruktur und Gemeinschaft, um neue Talente zu gewinnen und die Motivation der Mitarbeiter zu steigern.

Ziel Care

Nachhaltige Entwicklung der Rohstoff-Beschaffung und deren Lieferketten. Im Mittelpunkt stehen dabei eine stabile Versorgung mit qualitativ hochwertigen Rohstoffen und die größtmögliche Transparenz und Kontrolle der ökologischen und sozialen Auswirkungen.

Um die Relevanz der einzelnen SDGs und die Einflussmöglichkeiten von Symrise zu bestimmen, hat das Unternehmen eine diesbezügliche Wesentlichkeitsanalyse durchgeführt.

Die wesentlichen Themen

Symrise hat die unterschiedlichen Nachhaltigkeitsthemen nach ihrem „Wert für die Gesellschaft“ und nach ihrem „Wert für Symrise“ eingeteilt und sie nach ihrem größten Potenzial für eine gemeinsame Wertschaffung identifiziert. Die Prioritäten der wichtigsten Anspruchsgruppen, zu denen Kunden, Mitarbeiter, Aktionäre, Nachbarn, Politik, Nichtregierungsorganisationen und die Geschäftspartner gehören, hat Symrise dabei im Rahmen des am AA1000 Stakeholder Engagement Standards orientierten Stakeholdermanagements ermittelt.

Den Handlungsfeldern „Gewährleistung höchster Produktsicherheit“, „Anlagensicherheit“, „Einhaltung der Menschenrechte“ und „Compliance“ wurde dabei ein höherer „Wert für Symrise“ zugeschrieben; neu ergänzt wurde zudem das Handlungsfeld „Tierwohl“.

Neben der strategischen Orientierung dient die Identifikation wesentlicher Themen gleichzeitig zur Strukturierung der Berichterstattung gemäß den GRI G4-Leitlinien: Zu Themen, denen das Unternehmen einen hohen Wert sowohl für Symrise als auch für die Gesellschaft zugeordnet hat, wird vollständig berichtet. Über Themen, die eine hohe Relevanz in nur einer Dimension aufweisen, berichtet Symrise mit mindestens einem Indikator. Über die Nachhaltigkeitsleistungen und Kennzahlen wird in der Nachhaltigkeitsbilanz Rechenschaft abgelegt.

In der Wesentlichkeitsmatrix vereint Symrise drei Dimensionen: So spiegelt die X-Achse den „Wert“ der jeweiligen Handlungsfelder für Symrise wider, während die Y-Achse den „Wert für die Gesellschaft“ aufzeigt. Die Größe der Handlungsfeldkreise gibt das Ausmaß der Erwartungen, die dem Handlungsfeld aus der Perspektive der Stakeholder zukommt, wieder.

Um die Auswirkungen von Symrise auf die jeweiligen SDGs zu bewerten, hat das Unternehmen die identifizierten Handlungsfelder bezüglich der vier Säulen der Nachhaltigkeitsagenda Footprint, Innovation, Sourcing und Care analysiert. Eine Matrix stellt den direkten und indirekten Einfluss von Symrise und die Höhe der Relevanz hinsichtlich der SDGs dar und führt sie entsprechend auf.

Für die Säule Footprint bedeutet das beispielweise, dass Symrise durch seine Fortschritte innerhalb der definierten Handlungsfelder Ressourcenschonung und Emissionsreduzierung, effiziente Rohstoffnutzung und Erhalt der Biodiversität einen direkten Einfluss auf folgende SDGs hat, deren Relevanz für Symrise als hoch einzuschätzen ist:

  • SDG 7: Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und zeitgemäßer Energie für alle sichern
  • SDG 8: Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern
  • SDG 9: Eine belastbare Infrastruktur aufbauen, inklusive und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen
  • SDG 12: Für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sorgen
  • SDG 13: Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen
  • SDG 15: Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodenverschlechterung stoppen und umkehren und den Biodiversitätsverlust stoppen

So gelingt Ihnen die Umsetzung

1. Analysieren Sie die unternehmensspezifischen Auswirkungen auf die SDGs entlang der gesamten Wertschöpfungskette unter folgenden Aspekten:

  • welche Kernkompetenzen, Technologien oder Produkte besonders zur Erreichung bestimmter SDGs beitragen (können)
  • welche Aktivitäten des Unternehmens sich direkt oder indirekt negativ auf die SDGs auswirken (können)

2. Wählen Sie geeignete Indikatoren aus und erfassen Sie die Daten. Berücksichtigen Sie hierbei Inputs, Outputs, Outcomes und Impacts und finden Sie das richtige Gleichgewicht zwischen Spätindikatoren, die die Ergebnisse und Auswirkungen messen und jenen Indikatoren, die Ergebnisse vorhersagen. Als Hilfestellung können Sie ein sogenanntes Logikmodell wie den WBCSD Measuring socio-economic impact guide for business hinzuziehen. Darüber hinaus sollten Sie standardisierte Indikatoren verwenden. Auf diese Weise können Unternehmen miteinander verglichen und die Unternehmensauswirkungen auf die SDGs besser verstanden werden. Die Website des SDG Compass  hält für jedes der 17 Ziele eine Liste von existierenden Standardindikatoren bereit, die Sie benutzen können.

3. Im Anschluss definieren Sie die Handlungsprioritäten. Dabei können Ihnen folgende Leitlinien helfen, die Sie berücksichtigen sollten:

  • Größe, Schweregrad und Wahrscheinlichkeit negativer Auswirkungen, die Bedeutung solcher Auswirkungen für Stakeholder.
  • Wahrscheinlichkeit künftiger Gesetze, Mangel an Ressourcen oder Arbeitskräften, Unterbrechung der Lieferkette, Druck von Stakeholdern oder zukünftige Dynamik des Marktes, die die Kosten oder Risiken dieser negativen Auswirkungen für das Unternehmen steigern können.
  • Analyse von Wachstumsmöglichkeiten oder größerer Marktmacht für das Unternehmen durch (potenzielle) positive Auswirkungen auf die SDGs. Z.B. Möglichkeiten der Innovation, Entwicklung neuer Produkte oder Services oder Erschließung neuer Marktsegmente.

4. Definieren Sie Ziele: Dabei ist die Bestimmung und Kommunikation der Messbasis wichtig für die externe Glaubwürdigkeit und die verlässliche Messung von Änderungen. Folgende Fragen sollten Sie berücksichtigen:

  • Sind die Ziele ambitioniert genug?
  • Soll diesbezüglich nach außen kommuniziert werden? Wenn ja, dann müssen Sie regelmäßig über die Erreichung von Fortschritten berichten.
Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen