Das Tchibo "WE"-Projekt: Arbeitsbedingungen im Dialog verbessern

"Das WE-Projekt hat uns ermöglicht, einen tiefgreifenden Veränderungsprozess auf mehreren Ebenen unserer Non-Food-Lieferkette zu initiieren, begonnen mit dem Empowerment der Beschäftigten bis hin zu einer verbesserten Zusammenarbeit in der Lieferkette. Sozialstandards und Wettbewerbsfähigkeit sind kein Widerspruch, wenn an beiden Parametern im Dialog aller Beteiligten gearbeitet wird." (Nanda Bergstein, Head of Vendor Relations & Sustainability)

Themenschwerpunkte: Arbeitsnormen, Menschenrechte, Lieferkette, Empowerment

 

Das Tchibo "WE"-Projekt: Arbeitsbedingungen im Dialog verbessern

Ausgangssituation und Zielsetzung

Viele Artikel von Tchibo werden in Fabriken in Schwellen- und Entwicklungsländern hergestellt. Die Durchsetzung von Sozialstandars wie faire Löhne, Arbeitsschutz und Versammlungsfreiheit stellt dabei eine große Herausforderung dar. Fabrikkontrollen – sogenannte Sozialaudits – allein reichen nicht aus, um die Arbeitsbedingungen langfristig zu verbessern. Zudem scheitert die Umsetzung von Sozialstandards häufig an der mangelnden Einbeziehung der Beschäftigten.

Hier setzt das Lieferantentrainingsprogramm "Worldwide Enhancement of Social Quality" ("WE") von Tchibo an, das den Dialog aller relevanten Akteure in den Mittelpunkt rückt. Das Programm entstand 2007 aus einer Entwicklungspartnerschaft mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ) und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und wurde in einer mehrjährigen Pilotphase erprobt.

Ziel ist es, die Lieferanten auf Basis des Dialogansatzes bei der Einhaltung von Sozialstandards zu unterstützen und so die Arbeitsbedingungen dauerhaft zu verbessern. Das WE-Programm ist ein wichtiger Pfeiler in der Gesamtstrategie von Tchibo – „Auf dem Weg zu einer 100 % nachhaltigen Geschäftstätigkeit“. Damit möchte das Unternehmen sicherstellen, dass keine Tchibo-Produkte zu Lasten von Mensch und Umwelt gefertigt werden.

Methodik

Die Grundlage für die Zusammenarbeit mit seinen Lieferanten bildet der Tchibo Social and Environmental Code of Conduct (SCoC): Er definiert die Mindestanforderungen an Arbeitsbedingungen und Umweltstandards und basiert unter anderem auf den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und den zehn Prinzipien des UNGC. Im Rahmen von Sozialaudits wird überprüft, ob die Anforderungen eingehalten werden. Neben der Vorgabe und Überprüfung der Standards setzt Tchibo im Rahmen des WE Programms auf ein dauerhaftes Engagement bei den Herstellern vor Ort.

Das WE Programm läuft in vier Phasen ab: In Phase 1 werden die Lieferanten ausgewählt, die für Tchibo von strategischer Bedeutung sind und die Unterstützung bei der Implementierung der Standards in den Fabriken benötigen; es folgt eine gemeinsame Analyse der größten Herausforderungen. Anschließend werden lokale Trainer ausgewählt, die als "Brückenbauer" fungieren und die die Dialogpartner bei den Verhandlungen von Lösungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen unterstützen sollen.

In Phase 2 werden die Trainer ausgebildet. Dabei erhalten sie spezifisches Fachwissen zu Sozialstandards und werden dazu befähigt, die Betriebe beim Aufbau innerbetrieblicher Dialogstrukturen zu begleiten. Phase 3 beinhaltet die Qualifizierung der Betriebe im Rahmen von Betriebsbesuchen und dialogorientierten Workshops. Phase 4 wiederum besteht aus einem kontinuierlichen Monitoring der Projekterfolge und einer abschließenden Bewertung der Wirkungen sowie dem Austausch über die Ergebnisse mit Stakeholdern und anderen Unternehmen und Organisationen.

Wirkung

Mit dem WE-Ansatz konnte Tchibo viele positive Veränderungen in den Produktionsbetrieben erreichen. Eine detaillierte Dokumentation aller Projektaktivitäten sowie eine vertiefende Wirkungsanalyse zeigen, dass die Arbeiter breitere Möglichkeiten zur aktiven Beteiligung erhielten, dass die Kommunikationsstrukturen insgesamt optimiert wurden und dass Sozialleistungen, Gesundheit- und Arbeitsschutz sowie Mindestlöhne verbessert wurden. Zudem konnte eine Steigerung der Produktivität und Qualität in der Fertigung erreicht werden. Somit wurde gezeigt, dass Sozialstandards und Wettbewerbsfähigkeit nicht im Widerspruch zueinander stehen. Bisher haben alle strategischen Lieferanten von Tchibo, aktuell 320, in Asien und Afrika an Qualifizierungsmaßnahmen teilgenommen und es werden laufend weitere Betriebe integriert. 75 Prozent der Tchibo Produkte werden von WE-Fabriken produziert.

So gelingt Ihnen die Umsetzung

  1. Entwickeln Sie einen Verhaltenskodex für Ihre Lieferanten, der die Mindestanforderungen für die Arbeitsbedingungen definiert.
  2. Treffen Sie eine Auswahl an Lieferanten, die an dem Qualifizierungsprogramm teilnehmen sollen. Laden Sie diese ein und analysieren Sie gemeinsam die wichtigsten Herausforderungen bei der Umsetzung der Mindestanforderungen. Rekrutieren Sie lokale Trainer.
  3. Bilden Sie die Trainer aus, indem Sie ihnen Fachwissen zu den Anforderungen sowie Methodenwissen vermitteln.
  4. Führen Sie gemeinsam mit den Trainern und Mitarbeitern Ihres Unternehmens die Qualifizierung der Betriebe durch. Im "WE"-Programm hat sich ein dialogorientierter Ansatz bewährt.
  5. Überprüfen Sie im Rahmen eines Qualitätsmanagements die Erfolge und Verbesserungen in den Betrieben und geben Sie Ihre Erfahrungen an Ihre Stakeholder, andere Unternehmen und Organisationen weiter.
 

Materialien

Das WE-Projekt wurde im Rahmen des Programms develoPPP.de gefördert, das die GIZ im Aufrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) umsetzt.

Erfahrungsberichte

Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen